Die Arbeit vom Smurf
noris network
Anfang der Neunziger stand ich nach dem Studium vor der schwierigen Frage (nicht vergessen: da gab es noch kein DSL
), wo der Mensch seine tägliche Internet-Dosis zu günstigen Preisen herbekommen könne.
Zusammen mit zwei Freunden kamen wir auf die einfache Antwort, andere dafür bezahlen zu lassen. Bevorzugt Firmen, denn die haben mehr Geld.
Folglich gründen wir unseren eigenen Internet-Provider.
Inzwischen ist noris network eine Aktiengesellschaft und hat um die 50 Mitarbeiter.
Ich bin als freier Mitarbeiter bei der Software-Entwicklung dabei — das überrascht keinen — und sitze im Aufsichtsrat.
{M:U} IT Design
Meine IT-Beratung mache ich unter einem eigenen Dach. Spezialisiert habe ich mich auf Protokolldesign, Linux-Kernelprogrammierung (insbes. Gerätetreiber), und allgemein die Jagd auf Fehler in Programmen. Merke: Fehler suchen ist eine nervige Angelegenheit, die ich lieber Anderen überlasse. Fehler finden und beheben macht viel mehr Spaß.
Studium
Informatik an der Uni Erlangen. Zu viel Theorie. Nervig.
Dasselbe Fach in Karlsruhe. Sehr viel angenehmer. (Und das nicht, weil es leichter wäre. Nur sinnvoller.)
Leben. Wichtiger als ein Blatt Papier mit dem Wort "Diplom" drauf. Nach 20 Jahren Erfahrung fragt niemand mehr nach dem Zettel mit dem offiziellen Siegel …
U-ISDN
… oder „Da war doch noch was“.
Es begab sich also, dass zu ursteinzeitlichen Zeiten der Smurf einen Macintosh hatte. Dieses große Ding, 68040-Prozessor, sechs Nubus-Slots … und darauf A/UX (das alte Unix von Apple, kein Darwin — sondern ein zusammengeschusterter SVR5/BSD-Hybrid), und darin eine einigermaßen intelligente Hermstedt-ISDN-Karte. Leider nwar das Teil nciht flexibel genug.
Folglich schrieb ich eine etwas dümmere Firmware für das Ding und programmierte einen eigenen ISDN-Stack. Mit Streams, denn das war in diesem Unix-Tier das Mittel der Wahl. Angebunden an ein BSD-Networking, das damit ganz und gar nciht einverstanden war … Unnötig zu sagen, dass dieses Projekt über das Stadium „ganz dolle viele Bugs“ nicht hinauskam.
Das war der Punkt, an dem ich mich entschieden habe, in Zukunft nur noch an Dingen zu arbeiten, bei denen der Quellcode offenliegt und verändert werden kann. Das Leben ist einfach zu kurz, um sich durch Maschinencode durchzuwuseln, auch wenn das manchmal eine sehr interessante intellektuelle Übung sein kann.
Folglich war die nächste Plattform ein Stinknormal-PC, eine passive stinknormal-ISDN-Karte, und Linux. (Nein, nicht BSD. Wenn schon Open Source, dann richtig.)
Linux hatte damals vieles, aber keinen vernünftigen TCP/IP-Unterstützung; es kam nichtmal mit fragmentierten Paketen zurecht, und das war essenziell. Damals gab es keinen richtigen Maintainer dafür, und ich wollte mir das nicht antun. Zumal ich den Rechner jetzt ans Netz bringen wollte und nicht ein Jahr später.
Folglich habe ich den Stack vom BSD am Nacken gepackt und ihn in das arme Linux reingestopft. Ein solches Konglomerat ist nicht nur aus lizenztechnischen Gründen kompletter Unfug, aber damals wusste ich das noch nicht besser.
Habe ich erwähnt, dass mein Treiber auf Streams basierte? Dummerweise hat Linux kein Streams (und das ist auch gut so). Macht nichts, irgendwo an der Uni lag Sys5R4-Code rum, da konnte ich den Kram klauen
, Debugging einbauen, und so endlich die Fehler in meinem eigenen Code finden …
Das Resultat hat erstaunlich lang und ausreichend gut funktioniert. Irgendwann hatte Linux vernünftiges TCP/IP, und irgendwann hatte die noris network GbR einen externen Router statt eines Servers, der mit seinen vier ISDN-Karten 30 Kunden betreute und nebenher noch Email und Web erledigte, und irgendwann konnte man auch das ISDN im Linux vernünftig verwenden … und so starb U-ISDN eines natürlichen Todes.
Und nein, den Code habe ich nicht mehr greifbar. Vielleicht findet sich noch was auf den 51774 alten Tapes und Wechselplatten, die bei mir im Keller liegen …